Das perfide Ego

oder wenn Kommunikation erlischt….

Dieses Thema ist Zweifels ohne sehr spannend und umfangreich. An dieser Stelle möchte ich eine kurze Zusammenfassung geben, an anderer Stelle dann
mehr. Was ist denn eigentlich dieses Ego? Wir erinnern uns:
Das erdachte Ich, als Gedankenform im Kopf. Es entsteht aus unseren früheren Entscheidungen, „so kann ich überleben.“ Daraus ist dann eine Strategie geworden. Zum Beispiel “ICH muss wissen, wie das Leben funktioniert! Sonst überlebe ich nicht!“ (Übrigens auch ein häufiger unbewusster Glaubenssatz). Das ICH übernimmt also diesen Satz als „Wahrheit“ aus der Vergangenheit, und schwupps—ist er bei mir in der Zukunft gelandet, zwangsläufig.

Auch in den Schulen (einige freie Schulen ausgenommen) wird nicht gelehrt, wie Leben geht. Das Allerwichtigste: wie bin ich lebendig, freudig, begeistert u.s.w. wird verschwiegen bzw. besser gesagt: die Lehrer wissen es auch nicht. Und es ist auch nicht wichtig. Es bringt keinen direkten materiellen Gewinn. Kein Wunder: agieren auch die Lehrer meist energetisch innerhalb ihrer erdachten Überlebensstrategie, die Vermittlung kann nicht stattfinden, wenn ich Selbst dort nicht bin.

Wieso ist das so tragisch? Wie fühlt sich das an, wenn ich mich meist ausschließlich innerhalb meines Gedankengebäudes befinde? Fühle ich es oder habe ich das Fühlen grundsätzlich abgestellt, um zu überleben!

Ein Kind hat in der Regel nicht das Wissen, wie das Leben geht, wie auch, wenn es ihm nie gezeigt wurde. Und so wird aus Leben eine Konstruktion. Da es eine erdachte Konstruktion ist, muss es auch ständig kontrolliert werden. ICH will auf gar keinen Fall die Kontrolle verlieren, denn dann müsste es sterben. Und es hat solche Angst zu sterben! Hier beginnt dann der alltägliche Stress. Denn da, wo ich im Moment bin, ist nicht genug. ICH will ständig woanders hin. ICH mag die Gegenwart nicht. ICH braucht bestimmte Dinge wie die Anerkennung der Welt und die vermeintliche Sicherheit innerhalb des konstruierten Lebens. ICH verwechselt 2 die aktuelle Lebenssituation- hervorgerufen durch mein Gedankengebäude im Kopf, an das ich fest glaube-, mit dem Leben an sich. Das Leben hat also eigentlich noch gar nicht stattgefunden, wie schade!!!

Das Ego, ich nenne es IchSelbst, ist nicht in Verbindung, meist frustriert, unlebendig, dreist, übergriffig, unhöflich, lieblos, respektlos, hinterhältig, mit den Gedanken in der Zukunft oder Vergangenheit – natürlich nicht immer— aber „wenn`s sein muss “ ist es auch unverschämt, laut, manipulativ, angsteinflößend, autoritär, überheblich. Es übernimmt auch keinerlei Verantwortung, weil ..– es sind ja die bösen, unfähigen Anderen, die ihm das Leben zur Hölle machen. Und noch einmal sei hier betont: Das Ich Selbst möchte das Leben unter Kontrolle haben, weil es glaubt, so ist es sicher, so kann es sich beruhigen, diese ständige Beunruhigung loswerden. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Denn—es (IchSelbst) sorgt ständig für neue Beunruhigung. Prüfen Sie es nach! Und wie versucht das IchSelbst noch, aus dem Schlamassel rauszukommen? Mit noch mehr Rechtfertigung, anderen auf die Füße treten, Macht ausüben, oder noch eine Runde Opfer spielen, es gibt ja auch so viele Mitspieler! Und das alles sind wir. Ein Wunder, dass es diesen Planeten überhaupt noch gibt. Ab und zu sagt er:“ Rien ne vas plus!!!“ Nix geht mehr! Wir können`s auch einfach zugeben, dass sich diese oben genannten Eigenschaften in unserem IchSelbst- befinden und beobachten, denn es ist eigentlich nichts Persönliches, eher kollektives, transgeneratives Gedankengut. Und wir verteidigen es, oft bis auf`s Messer. Wie absurd und wahnsinnig. In diesen Zeiten, in denen Transformation vermehrt erfahren werden darf, spüren wir die Lebendigkeit, die Verbindung zum Kosmos, welche nur im Hier und Jetzt erlebt werden kann. Es ist eben nichts Erdachtes, und es setzt die Gegenwart voraus. Genau das mag das Ego nicht: „nichts zu Nörgeln, keine Probleme, niemand schuld. Aber mir wird schon was einfallen, wie ich sie/ihn rumkriege.“ Eben perfide, finde ich. Eine große Portion Humor bitte, und…liebes Ego, du bleibst unter liebevoller Beobachtung. Und warum meine ich, auch die Kommunikation erlischt?

Die Ebene, auf der Begegnung stattfindet, braucht Wahrhaftigkeit. Stattdessen findet zwischenmenschliche Kommunikation auf der Oberfläche des Unbewusstseins statt, die Wahrheit wird bedeckt. Wir tun, als ob…, die Wahrheit wird verschwiegen, unser IchSelbst schützt sich vor der Angst: es könnte sich blamieren, als schwach gelten, verachtet, ausgelacht, vernichtet werden. Gerne wählen wir als erstes den Weg der Macht (über andere). Es scheint leichter, diesen Weg einzuschreiten, fürs IchSelbst natürlich, denn die eigene Wahrheit bringt erst mal keine Anerkennung, kein Geld, keine Selbstverherrlichung. Die Wahrheit ist einfach nur, mehr nicht. Die Anschauung der eigenen Schatten beim Betrachten meiner Wahrhaftigkeit kann etwas sehr Furchteinflößendes haben! Auch C. G. Jung war wohl entsetzt beim Wahrnehmen seiner Schatten. Aber der Machtweg bringt uns auf die Dauer um. Wir entfernen uns immer mehr von unserer Wahrhaftigkeit. Und irgendwann erlischt Kommunikation, übrig bleibt etwas sehr Angepasstes, Statisches, Langweiliges, Nachtragendes, Angst, Trennung, Entfremdung.

Was immer Respekt verdient, ist unser „Original/Ursprung Selbst“. Dieses gilt es zu schützen, denn wie oft ist es missbraucht, verachtet, vernichtet, ignoriert worden. Zuerst von der „Welt“, (die direkten Bezugspersonen wie Vater/Mutter u.s.w. gehören auch dazu, wenn auch unbeabsichtigt schadend), dann ganz automatisch übernommen von unserem IchSelbst, um zu überleben. Kein Tag ohne unser Selbst, nehmen wir es überall mit hin! Dort sind unsere Talente, unsere Wahrheit, Schönheit und so Vieles mehr. Eine Pforte dorthin ist wie immer das Hier und Jetzt.

Und: Sprechen wir wieder miteinander, sprich mit mir!

An dieser Stelle sei auch kurz auf das weltweit degenerierte Patriarchat aufmerksam gemacht: Aus ehemals (wie lang ist das wohl her!) gesunden männliche Prinzipien wie Autonomie, Stärke, Freiheit wird Entfremdung, Dominanz, Herrschaft. Damit verbunden selbstverständlich auch die ungesunden pathologischen weiblichen Prinzipien: aus Fließen, Beziehung, Mitgefühl entsteht eine Verstrickung aus völliger Selbstaufgabe, Panik u.s.w.